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HomeSaison 2013/14sonstigesHöhentrainingslager in Font-Romeu

Höhentrainingslager in Font-Romeu

1850 Meter über dem Meeresspiegel, 1500 Autokilometer von der Heimat und einen Katzensprung von der spanischen Grenze entfernt liegt Font-Romeu. Der vor allem unter Ausdauersportlern beliebte Trainingsort in den französischen Pyrenäen ist Spielplatz unseres dreiwöchigen Höhentrainingslagers.

 

Schwimmbäder an den Füßen

Unsere Anreise am vergangenen Wochenende splittete sich in zwei Etappen auf: 500 km am Samstag und 1100 km am Sonntag. Der erste Tag in Font-Romeu begann mit einer leichten Grundlagenausdauereinheit auf dem Rad. Zwischenzeitlich regnete es so stark, dass uns die aufprallenden Tropfen im Gesicht wie tausende Nadelstiche vorkamen. Dann klarte es wieder auf. Kurz vor Ende der Tour goss es dann wie aus Eimern auf uns nieder. Die Radschuhe auf den Klickpedalen fühlten sich wie Schwimmbäder an. Nach einer Blutabnahme zur Bestimmung des Laktatwerts stiegen wir in den Bus ein und ließen uns zur Unterkunft fahren. Alle hatten durchtränkte Schuhe und fühlten sich leicht unterkühlt. Nach einer heißen Dusche waren alle wieder fit und konnten über den „Einstiegs-Ausritt“ lachen.

 

Unsere Unterkunft

ZimmerEssenraumNicht zum Lachen hingegen war uns direkt beim Bezug der Unterkunft des Nationalen Höhentrainingszentrums „CNEA“ in Font-Romeu. Als ich mein Zimmer betrat, dachte ich nur: „Das muss ein großer Scherz sein!“ Auf fünfeinhalb Quadratmetern sollte jeder Sportler die kommenden drei Wochen im Einzelzimmer leben. Und von dieser Fläche muss man Duschzelle, Waschbecken und Bett natürlich noch abziehen. Ein kleiner Tisch und ein Stuhl waren auch noch untergebracht. Auf dem effektiven Platz von zirka 3 qm fehlte in manchen Zimmern auch noch ein Regal zur Kleidungsablage. Die Dusche ist so eng gebaut, dass man sich nur mit Mühe drehen kann und bei diesem Versuch mit dem Hintern an den drei Duschwänden entlangrutscht. Eine Duschkabinentür gibt es nicht. Das große der beiden Zimmerfenster ist komplett verschweißt, das schmale lässt sich nur kippen. Wer es schafft, das „Zwei-Quadratmeter-Bad“ beim Duschen nicht unter Wasser zu setzten, muss sich schon große Mühe geben. Die Gemeinschaftstoiletten (teilweise ohne Klobrille) befinden sich auf dem Gang. Dann fiel uns der Schimmel in vielen der Räume auf. Jedem Sportler war klar, woran das lag: ein 5,5-qm-Zimmer - zur Hälfte mit Holzdielen an den Wänden ausgekleidet - eine integrierte Dusche ohne Abzug - ein kleines Klappfenster und viele zum Trocknen aufgehängte Sportsachen der Athleten. Gerüchte über die abgeschlossene Modernisierung dieser Räume kann ich nicht bestätigen. Auch im Essenraum ist ein riesiger Schimmelfleck zu sehen.

ZimmerAber es gibt auch eine andere Seite! Paul und ich durften gleich am zweiten Tag unsere engen und schimmelbefallenen Einzelzimmer gegen ein renoviertes und größeres Einzelzimmer mit separater Dusche und Toilette zur gemeinsamen Nutzung tauschen. Unsere Dusche stellen wir den anderen Sportlern seitdem zur Verfügung. Die Zimmer dieser Größe sind den Trainern zur alleinigen Nutzung vorbehalten, wobei mir diese Verteilung äußerst fragwürdig erscheint. Trainer haben weder so viel Gepäck und Material mit, noch müssen sie ihre verschwitzte oder gewaschene Rad-, Eis-, Athletik-, Kraft- und Schwimmbekleidung dringend auslüften oder trocknen lassen. Das Team fragte einen Zimmertausch an und schlug vor, vier der zehn Athletenzimmer mit denen der Trainer zu tauschen. Der Vorschlag, Zimmer zu tauschen, wurde leider als respektlos gewertet, was niemals unsere Absicht war. Lediglich rationale und vor allem kostenneutrale Alternativen zu finden waren der Hintergrund unseres Vorschlags. Die Alternative, teamextern Zimmer zu tauschen wird gerade geprüft, wobei diese wahrscheinlich mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Der Umzug in ein anderes Hotel kommt aus Kostengründen nicht infrage.

Wenn ich mir vorstelle, dass seit vielen Jahren immer wieder Teams verschiedener Eissportarten hier anreisen und übernachten, frage ich mich schlicht und ergreifend: Warum? Ich bin froh, wenn ich als Olympiakader diese Unterkunft verlassen kann und wünsche keinem Sportler, von welchem Höchstleistungen gefordert werden, hier untergebracht zu werden!

 

gute Trainingsbedingungen auf dem Weg nach Sotschi 2014

Dafür kann man über die Trainingsbedingungen in Font Romeu kaum klagen. Die Eishalle befindet sich direkt auf dem Gelände des Höhentrainingszentrums. Außerdem sind Sporthalle, Kraftraum, Fahrradabstellraum, ein Sportplatz, eine Rollbahn, eine Schwimmhalle, ein Regenerationsraum mit Saunen und einem Kältebecken sowie viele andere Trainingsmöglichkeiten schnell zu erreichen. Über die nicht funktionierende Alarmtaste beim heutigen, 50-minütigen Steckenbleiben im Aufzug zu zehnt kann man durchaus hinwegsehen. Wenn man vom Wetterumschwung in kürzester Zeit nicht zu sehr abhängig ist, macht das Training auf den Anlagen sehr viel Spaß und fördert die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Um das Paket an Trainingssteuerung in der Höhe abzurunden, haben wir diesmal sogar unsere MTA Angelika Sauermann aus der Uniklinik Dresden zur Abnahme von Laktatwerten und Benjamin Lachmann vom OSP Dresden zur trainingswissenschaftlichen Beurteilung mitgenommen. Ich finde die Höhentrainingslagersteuerung hier in Font Romeu sehr gut und würde mir wüschen, diese Methoden auch zuhause beim täglichen Heimtraining nutzen zu können.

Da wir bis zum 15. Juni die Vorteile des Höhentrainings (erhöhte Sauerstoffaufnahme durch reduzierten Sauerstoffpartialdruck) nutzen wollen, werden wir in den kommenden zwei Wochen hoffentlich noch viele aufregende und spannende Unternehmungen anstellen.

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