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HomeSaison 2011/12Welt CupsWer gewinnen will, muss bereit sein zu verlieren!

Wer gewinnen will, muss bereit sein zu verlieren!

Nach diesem Prinzip bin ich am Sonntag ├╝ber 500m in mein viertes A-Finale der Saison gegangen. Ich wollte gewinnen. Das gebe ich ganz offen zu! Vielleicht meint der ein oder andere, dass dieses Ziel f├╝r einen deutschen Short-Tracker einfach ein St├╝ckchen zu weit weg sei. Doch ich bin davon ├╝berzeugt, endlich an der Weltspitze angekommen zu sein. Zu verstecken brauchte ich mich dort nicht.

 

Doch der Reihe nach: Nachdem wir am Samstagabend mit der Staffel nach einem Sturz nur das B-Finale erreicht hatten, waren wir nat├╝rlich traurig. Die anf├Ąnglich triste Stimmung wollte ich schnell vergessen, nach vorn blicken! Doch die Kr├Ąmpfe in meinen Beinen vom anstrengendsten Staffel-Lauf meines Lebens lie├čen die Erinnerungen nicht so schnell weichen. So entschied ich mich, ein ordentliches Cooldown nach dem Wettkampftag anzusetzen und sicherte mir zus├Ątzlich noch Uwe, um den Tag mit einer ausgiebigen Runde Gymnastik und Dehnung abzuschlie├čen. Eigens entwickelte ÔÇ×Lebens├╝bungen" unseres Physios, wie die Kobra oder der Verkehrspolizist halfen mir wirklich, meine Muskeln zu entspannen, obwohl die Uhr nur noch zwei Stunden bis Mitternacht zeigte. Hundem├╝de und ersch├Âpft fiel ich ins Bett.

 

Am Sonntag konnte ich l├Ąnger schlafen. 14:00 Uhr war scharfer Start der Viertelfinals ├╝ber 500m. Und ich f├╝hlte mich wieder fit. Die Beine vom Vortag waren wie ausgewechselt. Das Viertelfinale war machbar, aber nicht einfach. Ich setzte mich hinter dem Kanadier nach dem Start an zweite Position. Nach drei Runden ├╝berholte ich ihn. Genau in diesem Moment kam er aber ins Straucheln und ber├╝hrte mich dabei. Ich hatte schon Angst, er w├╝rde mich zu Fall bringen oder mich zumindest am ├ťberholman├Âver hindern, doch ich konnte mich von ihm l├Âsen, sodass ich am Kurveneingang vorn war. Die restlichen knapp 200m legte ich ohne Probleme zur├╝ck und kam als Erster ins Ziel. Viertelfinale geschafft.

 

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Dann war das Halbfinale dran. Wieder gegen den US-Amerikaner aus dem Viertelfinale und amtierenden 500m-Weltmeister von Sheffield 2011. Ich startete gut, f├╝hrte viereinhalb Runden und kam als erster ins Ziel. Bis auf die letzte Kurve, in der ich einmal kurz tief durchatmen musste, ging alles glatt. Am Ausgang vor der Zielgeraden hatte ich pl├Âtzlich keinen Gripp mehr. Meine Kufe rutschte ein paar Zentimeter ├╝bers Eis und griff anschlie├čend wieder. Mit einer kleinen Verz├Âgerung also gewann ich auch mein Halbfinale.

 

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Jetzt wollte ich endlich gewinnen. Ich war bereit daf├╝r. Bereit um den Sieg zu k├Ąmpfen. Silber oder Bronze wollte ich nicht! Gold sollte es sein. Und so lief ich auch! Der Startschuss war zu h├Âren. Meiner Meinung nach verursachte der US-Amerikaner neben mir auf Bahn zwei einen Fehlstart, da er einen Tick zu zeitig seinen ersten Schritt setzte. Aber der Starter bestrafte diesen Vorsprung nicht. Also ging es los. Ich war Erster in der Kurve, konnte dann gut Geschwindigkeit aufbauen. Nach zwei Runden in F├╝hrung wurde ich vom Amerikaner ├╝berholt. Doch so leicht wollte ich ihm diesen ÔÇ×vorweggenommenen Sieg" nicht schenken. Ich setzte zum Gegen├╝berholman├Âver an. Gleich am Ausgang der n├Ąchsten Kurve versuchte ich es innen. Der dunkelblau Gekleidete dr├╝ckte mit seinen Armen auf der Geraden, um mir das ├ťberholen zu erschweren. Ich setzte mich durch und war der Erste in der Kurve. Doch ungef├Ąhr am Scheitelpunkt passiere es schon wieder. Ich verlor den Boden unter den Kufen und rutschte weg. In F├╝hrung liegend st├╝rzte ich knapp zwei Runden vor Schluss und musste den Anderen zusehen. Mit einer Runde Versp├Ątung kam auch ich als Vierter ins Ziel.

 

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Was soll ich dazu noch schreiben? Schon das vierte Mal, dass ich im A-Finale st├╝rze und Vierter werde. Irgendwann muss doch mal ein kleines St├╝ck Edelmetall drin sein. Vielleicht ja beim n├Ąchsten Mal?!

 

Im Anschluss galt's noch das Staffel-B-Finale gegen die USA und China zu absolvieren. Wir liefen ein gutes Rennen, holten immer wieder entstandenen R├╝ckstand auf, ├╝berholten und wurden ├╝berholt. Doch zum Schluss des Rennens konnten wir der Geschwindigkeit der gegnerischen Teams nicht mehr standhalten und ├╝berquerten die Ziellinie als Dritter. Damit wurden wir Siebenter in Holland. Schon vor dem B-Finale war klar, dass wir nicht mit einer Staffel zur WM nach Shanghai fahren d├╝rfen. Anstelle von Beck's, der am Sonntag bereits sechs Mal 1000m gelaufen war, setzte Mike Daniel ein. Wir (Paul, Torsten, Daniel und ich) gaben alles. Trotzdem reichte unser siebenter Platz nicht aus, um zur WM zugelassen zu werden. In der Welt Cup Gesamtwertung wurden wir Neunter. Nur die besten acht Teams erhielten die Tickets f├╝r Shanghai.

 

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Das Welt Cup Finale im holl├Ąndischen Dordrecht war der f├╝r mich bislang erfolgreichste Welt Cup. Mit einem vierten Platz ├╝ber 500m und einem elften Platz ├╝ber 1000m bin ich sehr zufrieden. Doch ich wei├č auch, dass in mir noch mehr steckt und wartet loszulegen. Ich m├Âchte endlich eine Einzelstreckenmedaille gewinnen und ├╝ber 1000m meine physischen und taktischen M├Âglichkeiten weiter herausfordern.

 

Auch das gesamte Team war noch nie besser, als bei diesem Welt Cup in Holland. Abgesehen von der Nichtqualifizierung der Damen- und Herrenstaffeln f├╝r die WM (Saisongesamtbetrachtung!) hat uns Mike in zwei C-Finals, sechs B-Finals und ein A-Finale gebracht. Diese ist schon eine besondere Leistung und zeigt den Fortschritt innerhalb Deutschlands. Sicherlich m├╝ssen f├╝r diese Ergebnisse manchmal Opfer gebracht werden. Das Ausscheiden aus der Staffel-WM-Quali ist f├╝r mich aber verkraftbar, schlie├člich ist Mike zurzeit in der Aufbauphase f├╝r die Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Und meiner Meinung nach steht Short-Track in Deutschland im Zeichen des Aufwinds. Einen herzlichen Gl├╝ckwunsch auch an die TOP-10-Platzierten Beck's (7. 1000m), Bianca (8. 1000m) und Paul (8. 500m)!

 

In der Gesamtwertung aller Welt Cups ├╝ber 500m 2011/2012 schaffte ich ebenfalls mein bisher bestes Ergebnis. Mit einem achten Platz nach sechs Welt Cups bin ich sehr zufrieden. Von den acht M├Âglichkeiten auf der Sprintstrecke Punkte zu sammeln, habe ich drei Mal den vierten Platz (512 Punkte) und einmal den 11. Platz (107 Punkte) erreicht. Dazu muss ich erw├Ąhnen, dass der zweite Welt Cup der Saison im kanadischen Chicoutimi stattfand. Dort war ich einfach nicht in der Lage, ├╝ber die Erinnerungen an meine schwere Verletzung von 2006 hinwegzusehen. Ich lief etwas zur├╝ckhaltender als sonst und konnte mein volles Potenzial nicht aussch├Âpfen. Weiterhin wurde ich zwei Mal disqualifiziert, im eben erw├Ąhnten Chicoutimi auf der zweiten 500m-Strecke und in Moskau durch zwei Fehlstarts. Am vierten Welt Cup in Shanghai haben wir gar nicht erst teilgenommen, obwohl dort ebenfalls zwei Mal 500m auf dem Programm standen. Effektiv habe ich also blo├č an vier von acht m├Âglichen 500m Wettk├Ąmpfen Punkte gesammelt. Maximal sechs Ergebnisse werden in die Gesamtwertung einbezogen. Ein besseres Ergebnis w├Ąre also durchaus m├Âglich gewesen. Doch Umwelteinfl├╝sse werden in Welt Cup Gesamtwertungen eben nicht erfasst. Trotzdem blicke ich auf eine sehr lehrreiche Welt Cup Saison zur├╝ck, die an viele Erfolge gekn├╝pft war, aber auch einige Reserven bereit hielt. Ich konnte sehr viel lernen und die Gesamtheit meiner Erfahrungswerte erheblich erweitern.

 

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Alle Videoaufnahmen des Samstag- und Sonntagnachmittag findet ihr wie gewohnt im ISU Skating Channel!

Kommentare  

 
#1 ST-Elli 15.02.2012 um 21:34
Die Grafiken innerhalb der Textabschnitte machen den Artikel sehr interessant. Find ich super. vG
 

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