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HomeSaison 2011/12Welt CupsPark City und seine Höhen und Tiefen

Park City und seine Höhen und Tiefen

Nun sind wir schon seit knapp zwei Wochen hier in Park City zum Höhentrainingslager. Bis auf die Höhe, an der wir immer noch mächtig zu knaubeln haben, fühlen sich doch alle ziemlich wohl. Vom Gateway-Center in Salt Lake bis zum Outletstore in Park City, von teuren Villen und Akupunktur handelt dieser Artikel. Am Besten ihr öffnet meine Galerie und seht euch nebenbei die Fotos an.

 

 

Unser Alltag

 

pc-slcEigentlich jeden Tag stehen wir so gegen 7.30 Uhr auf. Danach frühstücken wir gemeinsam in unseren Apartments. Wenn fürs Schleifen am Vortag keine Zeit mehr blieb, passiert das dann meistens früh nach dem Frühstück. Gegen 8.45 Uhr ist Abfahrt. Ein Auto wird immer von Mike gefahren und das andere von Paul. Eine halbe tägliche Portion Autofahren holen wir uns genau dann ab. Über den „Interstate" I-80 und I-215 geht es von Park City nach Salt Lake City zum Olympic Oval. Die ca. 45-minütige Fahrt auf dem Highway ist schon ganz schön nervig. Das einzig genussvolle an dieser Sache ist die Landschaft. Man kann mehrere Kilometer weit blicken, über fast die ganze Innenstadt am Großen Salzsee, über das Salt Lake Valley und vor allem die riesige Gebirgslandschaft der Wasatch Mountains. Auf der anderen Seite des Tals kann man sogar die aus dem Weltall (siehe Google Maps, großer weißer Fleck auf der Satellitenkarte, südwestlich von Salt Lake City) sichtbare Bingham Canyon Kupfermine sehen. Nach der Erwärmung in der Eishalle ist meistens 11.30 Uhr Eistraining. Die teilweise sehr harten Trainingseinheiten beenden wir ca. zwei Stunden später. Dann folgt noch Treppen-, Rad- oder Imitationstraining oder einfach nur ein lockeres Cool down. Anschließend haben wir die Wahl: Fahren wir wieder direkt eine knappe Stunde bergauf zu unseren Apartments oder suchen wir uns ein Schnellrestaurant in der Nähe der Eishalle. Ersteres wird meist bevorzugt. Jedoch müssen wir auch schon gegen 16.00 Uhr wieder auf der Matte zum Nachmittagstraining stehen, sodass uns zum Mittagessenkochen und Essen selbst bloß eine knappe Stunde bleibt. Nach dem Nachmittagstraining haben wir dann Zeit für uns. Die meisten versuchen, in dieser Zeit ihre Liebsten zuhause zu erreichen, was natürlich durch die Zeitverschiebung von acht Stunden nicht allzu einfach ist. Abendessen folgt ebenfalls in den Apartments, wobei wir uns hier auch ab und zu alle zusammen an den Tisch oder die Bar setzen. Manchmal lassen wir noch den Tag mit einem kleinen Gesellschaftsspiel ausklingen.

 

 

Die Höhe


Salt Lake City liegt knapp 1300 Meter über dem Meeresspiegel. Park City, die „kleine" Stadt in der wir wohnen, liegt auf über 2100 Metern. Mike meint, es sei gut, wenn wir etwas „höher schlafen" und „weiter unten trainieren". Sinn dieses Höhentrainingslagers ist es, die Sauerstoffaufnahme des Bluts zu verbessern und somit eine höhere Leistung im Sport zu erzielen. Dafür hat unser Trainer auch mehrere Bluttests angesetzt, um die Entwicklung der roten Blutkörperchen wissenschaftlich zu begleiten. Rein sportlich gesehen ist das Training in der Höhe eine Qual. Vor allem am Anfang des Trainingslagers schnappten viele von uns nach Luft, die scheinbar nicht da war. Zwischen den Läufen auf dem Eis klagten schon Einige über „Kreislauf". Nach Mikes Ansicht wird die Anpassung zu Mitte der kommenden Woche abgeschlossen sein. Das sollte sie auch, denn am Freitag beginnt im Utah Olympic Oval der erste Short Track Welt Cup der Saison.

 

 

Unternehmungen


Wenn wir, vor allem am Wochenende, mal etwas mehr Zeit haben, versuchen wir, diese sinnvoll zu nutzen. Letztens waren wir in Park City Bowlingspielen. Jeder hat ein paar Bälle geworfen, jeder mal mehr und mal weniger erfolgreich. Bei mir stand sogar einmal das Tripple-X in der letzten Spalte. An einem anderen Abend waren wir eingeladen. Eingeladen ins Paradies. Denn dieses Heim glich einem kleinen Palast. Begrüßt wurden wir von Mikes Kumpel Dan, seiner Frau und seinem Sohn. Alle drei waren sehr gastfreundlich und liebenswert. Schon der Weg rauf auf den „Tempel" war aber anders. Am Fuße des Bergs öffnete uns die Security die Schranke zur geschlossenen Wohnanlage. Dann ging es bergauf, ca. 10 Minuten mit dem Auto steil nach oben. Ich bin froh, dass wir zu dieser Zeit noch kein Glatteis haben, denn dann hätten wir sicherlich einen Höllenritt erlebt. Als wir dann das Haus betraten, stockte uns der Atem. Ein großzügiger Eingangsbereich, ein Speisebereich mit langer Tafel, eine offene Küche mit Bar, riesigem Kühlschrank und eine Chillout-Ecke. Doch erst als wir durchs Haus geführt wurden, machten sich die echten Ausmaße bemerkbar. Mehrere Schlafzimmer und Kinderzimmer mit dazugehörigen Bädern und eine riesige Terrasse am Hang des Bergs beeindruckten uns sehr. Doch dann kamen wir zur Treppe. Eine Etage tiefer wurde uns das Hauseigene Kino mit acht elektrisch verstellbaren Sitzen und großer Leinwand gezeigt. Weiter ging es zum „kleinen" Kraftraum mit Ergometern, Hanteln und Kraftbänken. Neben dem privaten Hauseingang zur Skipiste (incl. Kamin und großer Auswahl an verschiedenen Schneesportgeräten) ragte eine drei Stockwerke hohe Kletterwand empor. Einige von uns trauten sich sogar, schwierige Parcours in Angriff zu nehmen. Auch eine kleine Wand zum Bouldern durften wir nutzen. Wer keine Lust auf Klettern verspürte, konnte sich am Kickertisch oder beim Billard messen. Am frühen Abend war dann der „Erlebnisnachmittag" zuende und wir fuhren mit den Autos wieder zurück zu den Apartments. Ein anderer Tag stand ganz im Zeichen des Shoppings. Direkt um die Ecke (gem. amerikanischer Verhältnisse ca. 13 Kilometer) befindet sich ein Outlet-Center. Viele Geschäfte boten Markenartikel zu kleinen Preisen an. Viele von uns konnten so kräftig sparen. Außerdem besuchten wir das Gateway Center im Norden Salt Lakes. Viele verschiedene Geschäfte luden auch hier zum Schlendern ein. Mittags waren wir bei Applebee's essen. Im Fast Food Restaurant gab's leckere Burger, Pommes Frites und Salate. Jeder kam auf seine Kosten und war danach wirklich satt. Applebee's - wirklich eine Empfehlung!

 

 

Die Trainingsbedingungen


95 % der Eiseinheiten verbringen wir im Utah Olympic Oval im Herzen Salt Lakes. Die Eisschnelllaufhalle beinhaltet neben der großen Eisschnelllaufbahn noch ein Eishockeyfeld (mit Bande) und ein Short-Track-Feld. Die Short-Track-Fläche wird nicht, wie beim Eishockey durch eine feste Bande begrenzt, sondern durch dicke Matten, die über Spanngurte zusammengehalten werden. Beim Aufprall wird so der punktuelle Druck auf weitere Mattenelemente daneben verteilt. Das verringert das Risiko von Verletzungen und beruhigt nervöse Short-Track-Gemüter. Um die Eisschnelllaufbahn herum befindet sich eine Tartanbahn. Diese ist natürlich länger als eine herkömmliche 400m-Leichtathletikbahn. Auch zahlreiche Radergometer und Gymnastikmatten befinden sich im Erwärmungsbereich. Eine zweite Eishalle befindet sich hier in Park City. Zirka zehn Autominuten von den Apartments entfernt konnten wir auch hier auf dem Eis trainieren. Genutzt haben wir diese aber nur drei Mal. Aus gutem Grund: Diese Halle ist nicht mit der großen zu vergleichen. In Park City sind gefühlte minus 30 Grad auf dem Eis. Schon nach der Warmup-Staffel froren uns die Zehen und Fingerspitzen ein. Zum Schwitzen kam hier trotz harten Trainings keiner. Auch die Halle an sich ist ziemlich klein und wahrscheinlich vorrangig für Trainingszwecke gebaut, als für Großveranstaltungen. Wenn wir einmal nicht auf dem Eis stehen, nutzen wir das Lacrosse-Feld hinter den Apartments fürs Trockentraining. Außerdem gibt es ein paar Minuten entfernt eine private Sportanlage mit Indoor-Football-Feld, Kraftraum, zahlreichen Ergometern und einer Laufbahn. Diese Anlage dient uns fürs Krafttraining, für Radeinheiten, Imitationen und Sprünge.

 

 

Oberschenkelansatzentzündung


maiphysioLeider leide ich seit Anfang der Woche wieder unter Problemen an meinem linken Oberschenkel. Mit Mike habe ich deshalb eine kleine verletzungsbedingte Trainingspause vereinbart. Diese wird wohl noch bis Montag dauern. Seit Mittwoch habe ich mich in die heilenden Hände eines chinesischen Arztes hier in Park City begeben. Dieser scheint ein Guru auf dem Gebiet der Akupunktur zu sein. Da ich selbst noch keine Erfahrungen damit gemacht habe, wollte ich mich darauf einmal einlassen. Am Montag steht dann die dritte und vorerst letzte Behandlung an und dann werde ich sehen, ob die Therapie den Heilungsprozess meiner Oberschenkelansatzentzündung beschleunigt. Ich denke, dass eine erneute Entzündung (siehe Artikel letzte Saison) meiner Muskeln dem fehlenden Physiotherapeuten geschuldet ist. Für unser Trainingslager haben wir keinen Physio gestellt bekommen. In Dresden bin ich sonst bei Kerstin und Uwe am Olympiastützpunkt bzw. MaiPhysio in Behandlung und lasse meine verspannten Muskeln ordentlich massieren. Jetzt habe ich seit zwei Wochen gar keine Behandlung erfahren und genau das scheint mir zu fehlen. Seit gestern Abend ist Kerstin hier und betreut uns für die kommenden zwei Welt Cup-Wochen. Hoffentlich bin ich bis zum Wochenende wieder fit.

 

 

Die nächsten Stationen

 

Am Sonntag diese Woche sind wir bei Guy zuhause eingeladen. Ein weiteres 20-Millionen-Dollar-Haus wird uns sicherlich nicht erwarten, aber gemütlich und erholsam wird der Abend sicherlich allemal. Vorgenommen haben wir uns außerdem, eine Runde Laser Tec spielen zu gehen. Laser Tec ist eine Art Paintball ohne Farbkugeln, bei welcher nur Laserstrahlen abgefeuert werden. Am kommenden Wochenende beginnt dann die Welt Cup-Saison. Wir blicken alle optimistisch in die Zukunft und hoffen, trotz gekürzter Mittel unsere Leistung abrufen zu können. Potenzial haben alle von uns, jetzt gilt es nur, dieses zur richtigen Zeit am richtigen Ort abzurufen.

Kommentare  

 
#1 Torsten 16.10.2011 um 03:47
Schöner Artikel...haste alles drin! jetzt habe ich nichts mehr zum schreiben :lol:
 

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