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HomeSaison 2011/12internationale WettkämpfeDeutschland im Team auf dem Treppchen

Deutschland im Team auf dem Treppchen

Am vergangenen Wochenende waren wir in Holland. Zum alljährlichen Invitation Cup lud der holländische Eisverband KNSB die Damen- und Herrenteams Hollands, Deutschlands, Ungarns und Großbritanniens ein. Neben einem weiteren holländischen (B-)Team, waren dann nur noch vereinzelte Läufer aus anderen Ländern am Start.

 

Zweck des Wettkampfs war es, das beste dieser vier eingeladenen Teams zu ermitteln. Dies sollte √ľber f√ľnf Strecken erfolgen: 1500m, Staffel (1), 500m, 1000m und Staffel (2). Die Einzelstrecken wurden im regul√§ren K.O.-System ausgetragen, die Staffell√§ufe waren sozusagen beide Male Finals. Punkte sammelte man ausschlie√ülich f√ľrs Team. Man konnte h√∂chstens sechs Sportler und eine Staffel an den Start schicken. Gewertet wurden immer nur die Ergebnisse der besten drei L√§ufer auf jeder Einzelstrecke. Jeder Strecken- und Staffelsieger bekam 1000 Punkte f√ľr sein Team, der Zweite 800, der Dritte 640 und gem√§√ü Welt Cup-Punktesystem entsprechend die Weiterplatzierten.

 

Am Freitag machten wir uns mit zwei Kleinbussen auf den Weg nach Heerenveen. Nach unserer ca. siebenst√ľndigen Reise und zweimaligem Verfahren gingen wir abends 18.00 Uhr noch zum Training aufs Eis. Anf√§nglich leider ohne Trainer. Mike und Guy mussten die Busse gleich nach der Anreise noch nach Groningen bringen und mit dem Zug nach Heerenveen zur√ľckfahren. Die Teamf√ľhrung war aber wenige Minuten nach Trainingsbeginn wieder zur√ľck und √ľbernahm die Leitung. Das Eis f√ľhlte sich f√ľr holl√§ndische Verh√§ltnisse gewohnt weich an. Nach einigen Runden aber konnte ich schon recht gut damit zurechtkommen. Wegen des am folgenden Tag beginnenden Wettkampfs war das Training schnell vorbei und wir hatten abends noch Zeit den Tag mit einem Brettspiel und viel Spa√ü ausklingen zu lassen.

 

Am n√§chsten Morgen mussten wir nicht sonderlich zeitig aufstehen. Der Wettkampf begann gegen 10.30 Uhr. Wir starteten wie gewohnt mit der Ausdauerstrecke 1500m. Ich hatte einen guten Vorlauf und konnte mich gegen die anderen durchsetzen. Damit war ich f√ľrs Halbfinale qualifiziert. Dort war schon von vornherein klar, dass es Stress geben w√ľrde. Einige gute L√§ufer trafen aufeinander und nur die besten zwei qualifizierten sich f√ľrs Finale, der Dritte und Vierte f√ľrs B-Finale. Wenige Runden vor Schluss gab es eine kleine Rangelei und viele L√§ufer ber√ľhrten sich, ohne dass es einen von uns wirklich benach- oder bevorteilte. Ich f√ľhlte mich im Lauf zwar wie hin und her geschubst, sah aber keinen Grund f√ľr eine Strafe. Die Schiedsrichter berieten sich nach dem Rennen √ľber dessen Regelkonformit√§t. Dann gaben sie den Trainern bekannt, dass ein Holl√§nder wegen eines unfairen √úberholman√∂vers disqualifiziert werden wird. Die Trainer diskutierten und rechtfertigten das Verhalten der eigenen Sportler mit Fehlverhalten anderer Sportler. Dabei kam dann anscheinend auch mein Name zum Vorschein. Wieder berieten sich die Richter und die eigentlich schon gef√§llte Entscheidung wurde revidiert. Am Ende stand hinter meinem Namen ein gro√ües ‚ÄěP" f√ľr Penalty (Strafe/Disqualifikation). Ich wusste nicht warum, aber damit musste ich jetzt leben. Auch war mir nicht klar, warum sich die Unparteiischen auf dem Eis von den Trainern derma√üen stark beeinflussen lie√üen, dass sie bereits betroffene Entscheidungen wieder umm√ľnzten. Eine bisher weniger g√§ngige Praxis. Somit stand auf meiner Habenseite ein etwas entt√§uschender 18. Platz √ľber 1500m. Meine Punkte wurden nicht angerechnet, da andere drei Deutsche besser waren als ich. Die Punktetabelle findet ihr weiter unten!

 

Am gleichen Tag standen noch die Vorl√§ufe √ľber 500m, 1000m und das erste Staffelfinale auf dem Plan. √úber beide Einzelstrecken konnte ich mich direkt f√ľr die Viertelfinals am Folgetag qualifizieren. Die Staffel stellten wir mit Paul, Torsten, Becks und mir. Nach einem Sturz der Holl√§nder etwa nach der H√§lfte des Rennens setzten wir uns mit den Briten ab. Die Ziellinie √ľberquerten wir vor Gro√übritannien als erstes und sicherten uns die ersten dicken 1000 Punkte. Der Wettkampftag war zuende. Im 4-Sterne Hotel Heidehof angekommen, mussten wir gleich Abendessen und freuten uns √ľber ein paar entspannte Stunden Ruhe vor dem Schlafengehen.

 

Der zweite Tag brach an und holte uns etwas eher aus den Betten. Heute wollte ich es auf dem Eis etwas besser machen. Wieder konnte ich mich im Viertelfinale √ľber 500m durchsetzen und qualifizierte mich f√ľrs Halbfinale. In diesem merkte ich bereits, wie ausgebrannt meine Beine waren. Trotzdem glitt ich als Zweiter √ľber die Ziellinie und war f√ľrs Finale qualifiziert. Dort wollte ich nat√ľrlich gewinnen. Doch ich wusste, dass meine Beine dem nicht gerecht werden konnten. Den Start gewann ich noch und konnte meine F√ľhrungsposition erst einmal beibehalten. Dann wurde ich √ľberholt. Dann nochmal. Als m√§√üig gl√ľcklicher Drittplatzierter konnte ich 640 Punkte f√ľrs Team klarmachen. Dann hatte ich endlich erst mal Pause, denn die Repechages √ľber 1000m waren dran, an welchen ich nicht teilnehmen musste.

 

Die letzte Einzelstrecke war an der Reihe. F√ľrs Viertelfinale war ich bereits vom Vortag qualifiziert. Bis kurz vor Schluss konnte ich mich gut durchsetzen, musste dann aber auf der letzten Runde meine Gegner passieren lassen. Als Dritter auf der Ziellinie und Streckenelfter konnte ich keine Punkte in die Teamwertung einbringen. Paul erreichte einen respektablen zweiten Platz und damit das beste deutsche Einzelergebnis des Wochenendes.

 

invitation_cup_logoZum Abschluss stand noch die 2. Staffel auf dem Plan. Wir liefen wieder mit Paul, Becks, Torsten und mir. Als die ersten ca. 16 Runden geschafft waren, st√ľrzte ein Holl√§nder. Dieser stand aber nicht sofort wieder auf, sodass das Rennen aus Sicherheitsgr√ľnden abgebrochen wurde. Die Trillerpfeife der Schiedsrichter ert√∂nte und alles h√∂rte auf zu rennen. Wir schauten uns um. Der Holl√§nder lag immer noch auf dem Eis und kr√ľmmte sich am Boden. Einige Rettungskr√§fte, √Ąrzte, Physiotherapeuten und Schiedsrichter waren zur Stelle und umringten ihn. Nach wenigen Minuten konnte er aber wieder aufstehen und stellte sich mit schmerzverzogenem Gesicht zu seinem Team. Die Holl√§nder mussten das Eis verlassen, weil sie die Ursache f√ľr den Rennabbruch waren. Dieses Team muss disqualifiziert werden und darf an der Neuauflage nicht mehr teilnehmen. Anschlie√üend wurde das Rennen neu gestartet und die Rundenanzeige kletterte wieder auf 45. Diesmal waren nur die Insel-Europ√§er, die Ungarn und wir auf dem Eis. Die Ungarn konnten schon nach wenigen Runden nicht mehr mithalten. Mit den Briten lieferten wir uns einen Kampf um den ersten Platz. Bis zur letzten Kurve konnten wir die entstandene L√ľcke zu den Briten immer wieder schlie√üen. Kurz vor der letzten Kurve √ľberholten wir sie und konnten den minimalen Vorsprung halten. Der Schlussl√§ufer der Briten konnte dem Druck der Schr√§glage nicht mehr entgegenwirken und st√ľrzte am Kurveneingang. Wir gewannen auch diesen Staffellauf beim Invitation Cup 2011 in Heerenveen. Alle Ergebnisse findet ihr nach dem Klick auf die Grafik.

 

Bei der Siegerehrung der Teams bekamen wir die Silbermedaille um den Hals geh√§ngt. Die bereits abgereisten Briten durften sich √ľber Gold (6046 Punkte) freuen, die Holl√§nder √ľber Bronze (3457 Punkte). Auch eine Einzelwertung der besten L√§ufer des Teamwettkampfs wurde durchgef√ľhrt, allerdings fand dabei die herk√∂mmliche Finalpunktewertung Anwendung. Diese gewann der Russe Semion Elistratov. Paul war als bester Deutscher F√ľnfter vor mir als Sechstem. Bei den Damen gewann Holland (6892 Punkte) vor Ungarn (4463 Punkte) und Deutschland (1253 Punkte) die Teamwertung. Beste Deutsche war Julia mit ihrem 10. Platz in der Gesamtwertung. Gewinnerin war Elise Christie aus Gro√übritannien.

 

1500m 500m 1000m Staffel (1) Staffel (2)
8. Paul, 210 3. ich, 640 2. Paul, 800 1. Platz, 1000 1. Platz, 1000
14. Hannes, 55 9. Becks, 168 7. Becks, 262    
17. Christoph, 28 20. Paul, 25 10. Hannes, 134    

 

Nach dem Wettkampf durften wir wieder in unserem Hotel Restaurant zu Abend essen. Als Wochenendh√∂hepunkt stand nach dem Essen das traditionelle Heerenveener Gokartfahren auf dem Programm. Die Kartbahn befindet sich direkt hinter der Eishalle, keine 10 Minuten Gehweg vom Hotel entfernt. Nachdem wir unsere Helme samt Sturmhauben √ľbergest√ľlpt hatten, war keiner mehr zu bremsen. So hatten wir noch einen sch√∂nen Ausklang des angenehmen Teamwochenendes in Holland.

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