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HomeSaison 2009/10Vancouver 2010Ein Blick hinter die Zäune des Olympischen Dorfes

Ein Blick hinter die Zäune des Olympischen Dorfes

Mit großen Erwartungen an das Olympische Dorf bin ich ja nun nicht nach Vancouver gereist. Nachdem ich schon 2006 lediglich ein paar Stunden als „Day-Pass-Visitor" im Olympischen Dorf von Turin verbringen durfte, nahm ich an, dass auch im diesjährigen Dorf nichts Besonderes zu sehen sein wird. Doch nach ein, zwei Tagen hier musste ich feststellen, dass ich in Turiner Olympischen Dorf noch nicht annähernd alles gesehen hatte. Erst seit dem ich mehrere Tage im hiesigen Olympischen Dorf verbringe, lerne ich einiges mehr kennen, was es in Turin sicherlich auch gegeben, ich aber nicht bemerkt hatte. Und meine Erkundungstour durchs Dorf ist noch lange nicht beendet.

 


Die Security Checks

 

Aus meiner Sicht bemerkenswert ist, dass das Olympische Dorf nicht nur Dorf genannt wird, weil da alle Sportler und Betreuer leben. Eher ist es wie eine eigenständige kleine Stadt, umringt von vielen hohen Zäunen und Betonwänden. Manche von uns vergleichen es scherzhaft mit einem Hochsicherheitsgefängnis. Jede Schleuse, welche von den Bussen durchfahren werden muss (es gibt immer einen Check Point und einen Security Check), um ins Dorf zu kommen, wird von mindestens 15 Polizisten bewacht. Außerdem sind pro Schleuse viele Helfer eingeteilt, welche für einen reibungslosen Ablauf sorgen sollen. Die Busse werden sogar von unten und von oben mit Spiegeln angesehen, ein Polizist kommt meist in den Bus hinein und kontrolliert die Akkreditierungen. Man sieht, die Bewohner des Dorfes werden total von der Außenwelt abgeschirmt. Nachdem wir ausgestiegen sind, und uns zu Fuß ins Dorf begeben, werden wir am nächsten Security Check nochmals persönlich kontrolliert. Es kommt den Sicherheitsvorschriften an einem Flughafen sehr nahe: Röntgengeräte für Taschen und Jacken, Metalldetektoren zum Durchlaufen und Handgeräte zum Aufspüren von Waffen. Erst dann haben wir es ins Dorf geschafft. Des Weiteren ist ständig ein Hubschrauber über dem Dorf zu hören. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um einen Überwachungshelikopter handelt. Außerdem sind die angrenzenden Flussufer an der Nordseite alle zehn Meter mit Überwachungskameras und wahrscheinlich auch Bewegungssensoren ausgestattet. Überwacht wird der Bereich zusätzlich von der Wasserschutzpolizei. Ein enormer Aufwand, aber ich denke, sicher kann man sich hier auf alle Fälle fühlen.

 

 

Die Karte gibt euch einen kleinen Einblick in die Aufteilung des Dorfes.

 

 

 

 

Die Resident Centren

 

Das Dorf selbst besteht aus den „Resident Centren" mit den Appartements. Unser Haus befindet sich im südlichen Teil des Dorfes. Wir teilen es uns mit Polen und Rumänen, gemäß den Schildern am Eingang. Im Keller befindet sich unser Lager. Dort wurden alle Taschen gelagert, welche schon vor unserer Ankunft per Schiff verschickt wurden. Das Short-Track-Team befindet sich in der siebten von acht Etagen. Neben dem Hauseingang gibt es eine Auffahrt, in welcher hinter einem großen Gitter ein Feuerwehrfahrzeug steht. Auch daran erkennt man, dass an so ziemlich alles gedacht wurde. Das nordwestlichste Haus ist für die Zeit nach den Spielen schon verkauft. Eric erklärte mir, aus verlässlichen Quellen zu wissen, dass es das teuerste aller Häuser sei. Nicht nur weil es die kanadische Mannschaft beherbergt, sondern auch, weil es den kürzesten Weg zum False Creek hat und somit den besten Blick über die Skyline von Vancouver und die angrenzenden Berge bietet.

 

 

 

Die Straßen

 

Zwischen all den Wohnhäusern verlaufen richtige Straßen mit Fußwegen und Kreuzungen. Was noch fehlt, sind Ampeln und Verkehrsschilder. Oft sieht man kleine Busse oder Vans durchs Dorf fahren, entweder als Shuttle-Service oder als Transportfahrzeug. Aus meiner Sicht ist der Begriff „Olympisches Dorf" sehr passend gewählt.

 

 

Der Living Room

 

 

Eines der anderen Häuser, die ich mir schon angesehen habe, ist beispielsweise der „Living Room", das Wohnzimmer. Dort gibt es neben einer riesigen Leinwand, auf der neulich der Super Bowl lief, und wo ab sofort natürlich die olympischen Wettbewerbe gezeigt werden, noch eine Bar, die Tyson mit einer „High Class Bar" vergleicht, welche „Gemüsechips und Vitaminwasser anstatt von Alkohol anbietet." Der Living Room, welcher von uns wegen seiner Anstrichfarbe auch „Rotes Haus" genannt wird, ist in Wirklichkeit nicht bloß ein Zimmer, sondern ein ganzes Haus, um genau zu sein, ein ehemaliges Hafengebäude des False Creek. Zur Unterhaltung bietet der „Living Room" außerdem Billardtische, Tischfußball, mehrere Playstations und Wii's mit diversen Spielen, von „Vancouver 2010" bis hin zu „Rockband" mit Balanceboard, Sony-Gitarre, Schlagzeug usw. Des Weiteren bietet es viele Chillout-Bereiche, Flipper-Tische sowie Automaten, Tisch- und Brettspiele. Dort sollte also jeder etwas finden, was ihm Spaß macht. Währenddessen legt fast jeden Tag ein anderer DJ aktuelle Musik auf, meistens zum Chillen, aber auch zum Feiern. Der WLAN-Hotspot ermöglicht schnellen Internetzugang. Übrigens ist abgesehen vom Souvenirshop alles kostenlos im Dorf.

 

 

 

Die Dining Hall

 

Am östlichen Rand des Dorfes befindet sich die „Dining Hall". Der Speisesaal ist im Prinzip bloß ein riesiges Zelt. Auf der einen Seite befindet sich der Eingang und auf der anderen das Essen. Nur mit Essen ist nicht lediglich „Essen im herkömmlichen Sinne" gemeint. Essen bedeutet hier, sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Es gibt für jeden Geschmack etwas: Asiatisch (Sushi, Wok-Gerichte, Reisvariationen ...), Kontinentale Küche (Steaks, Kartoffeln, Gemüse ...), Pizza und Pasta, Brot, Brötchen, Sandwiches, Muffins, Salate und Desserts. Das zweite Highlight ist natürlich das dorfeigene McDonald's Restaurant innerhalb der Dining Hall. Dies ist ein absolut eigenständiges Restaurant, welches fast alle herkömmlichen McDonald's-Speisen anbietet. Gleich daneben befindet sich McCafé. Die „Cinnamon Melts", also kleine Brötchen getränkt in einer Butter-Zimt-Soße, sind nicht nur bei mir schon der absolute Renner. Außerdem stehen überall gekühlte und ungekühlte Getränke zur Verfügung. Wer im Olympischen Dorf verhungert oder verdurstet, macht etwas falsch, schließlich hat der Speisesaal von 0 bis 24 Uhr geöffnet.

 

 

Das Olympic Village Plaza

 

 

Geht man aus der Dining Hall heraus und biegt links ab, kommt man direkt am „Olympic Village Plaza" vorbei. Das moderne Gebäude innerhalb der „International Zone" steht am nördlichen Rand des Dorfes. Dort haben auch Journalisten und Besucher mit „Day-Pass" Zutritt. Im Olympic Village Plaza gibt es neben der „Plaza Main Stage", auf welcher Feierlichkeiten oder Shows stattfinden, noch eine Bank, einen Souvenirshop, eine Information und ein eigenes Café. Außerdem bietet es eine wunderschöne Promenade zum Schlendern und Sonne genießen, von wo aus man am besten auf den False Creek und die angrenzende Skyline Vancouvers blicken kann. Herausragend ist das BC Place mit seinem großen weißen Dach, wo sowohl die Eröffnungs- als auch die Schlussfeier stattfinden wird und das kugelförmige Sochi-2014-Haus.

 

 

 

Der Kraftraum

 

Der dorfeigene Kraftraum ist auch bestens ausgestattet. Der Aufwärmbereich bietet uns Sportlern zirka 30 Ergometer zur Erwärmung und zum Training. Außerdem gibt es weitere Laufbänder, Stepper und Rudermaschinen. Im hinteren Teil befindet sich dann der eigentliche Kraftraum. Dort warten viele Hanteln von 3 bis 130 Pfund (1,3 kg bis knapp 60 kg), Matten zur Dehnung und Gymnastik, weitere Ergometer, Hantelstangen, Gewichtheberplattformen, Spiegel und viele kleine und große Hantelscheiben darauf, von schweißgetränkten Athleten gestemmt zu werden. Außerdem befinden sich Duschen im Nebenraum, sowie zwei Bassengs für Wechselbäder. Im ganzen Kraftraumbereich sind Fernseher aufgestellt, worüber den ganzen Tag verschiedene Sportsender flimmern. Auch der Kraftraum ist so ausgestattet, dass bestimmt jeder Sportler auf seine Kosten kommt.

 

 

 

Unsere Flasche

 

Bei unserer Anreise erhielt jeder eine kleine Gummi-Cola-Flasche, mit welcher uns der Zugang zu Getränkeautomaten sowohl im Dorf als auch an allen Wettkampfstätten gewährt wird. Wir müssen nur „die Flasche" ans Gerät halten und können dann aus vielen verschiedenen Coca-Cola-Getränken wählen, wie z. B. Coca Cola, Coca Cola Zero, Sprite, Minute Maid, Vitamin Water, Powerade und Wasser.

 

 

 

Die Poliklinik

 

Vom "Doc" (Dr. Mario Bottesi) und von Uwe (unser Physio) habe ich bisher nur Gutes über die medizinischen Einrichtungen gehört. Uwe sagte mir, dass die Physiotherapien bestens ausgestattet sind. Ob Massageliegen, Cremes, Öle oder Verbandsmaterial, alles sei vorhanden. Genauso beschreibt der Doc die dorfeigene Poliklinik. Nach einem Besuch erzählte er uns erstaunt: „Da gibt's sogar einen Kernspintomographen. Wisst ihr, was der Umbau eines ganzen MRT-Geräts kostet? Ich meine, das MRT-Gerät selbst ist auch unheimlich teuer, aber der Umbau hier ins Dorf hinein, ist schon ein enormer finanzieller Aufwand. Die Bedingungen gleichen einer Intensivstation. Man kann 5 Patienten gleichzeitig intensivmedizinisch am Leben erhalten. Ich hoffe aber, dass das nicht notwendig sein wird!" Dem kann ich mich nur anschließen.

 

 

Ich hoffe, ihr habt mit meiner „kurzen" Beschreibung einen "Blick hinter die Zäune des Olympischen Dorfes" erhalten. Es gibt hier einfach extrem viel zu sehen und zu erleben. Die folgenden Fotos helfen euch vielleicht, das Unfassbare unglaublich fassbar zu machen.

 

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