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Invitation Cup Holland

Zum Wettkampf lud der holländische Short-Track-Verband die deutschen, ungarischen, britischen und 2 eigene Nationalteams ein. Zudem wurde bei den Damen und Herren jeweils ein Mix-Team aufgestellt, welches sich aus Österreichern und Letten zusammensetzte. Es gab also 6 Teams bei den Damen und 6 bei den Herren. Jedes Team durfte maximal 6 Läufer an den Start stellen. Es waren also fast 2 Mal 36 Läufer auf Kufen, welche alle nur im Namen ihres Teams gegeneinander antraten. Es wurden die 3 Einzelstrecken und 2 Staffel-Finals gelaufen. Das Wettkampfsystem war so aufgebaut, dass nur die besten 3 Sportler eines Teams für selbiges (Damen und Herren getrennt voneinander) Punkte erlaufen. Die Punkteverteilung glich der der Welt Cups, also 1000, 800, 640, 512 … Am Ende des Wettkampfes wurden alle Punkte der Einzelstrecken mit denen der 2 Staffelfinals addiert und je ein Wettkampfteam als Sieger geehrt.
 
Freitag
 
Der erste Tag in Holland verlief relativ ruhig. Vormittags und abends hatten wir Eistraining. In der Zwischenzeit aßen wir in der Pizzeria um die Ecke italienisch. Außerdem wurden die Kufen präpariert oder ein Nickerchen gehalten. Abends fuhr die Hälfte von uns zur holländischen Ausgabe von LIDL und kaufte sich Getränke für den Wettkampf. Zu Abend wurde dann noch im hauseigenen aus meiner Sicht sehr komfortablen nH Hotel „Atlantic“ Restaurant gespeist. Allerdings hielt das Buffet neben Reis, Gemüse und Salat nur Kuchen bereit. Auf jegliche Form von Fleisch mussten wir leider verzichten.
 
Samstag
 
Wir konnten fast ausschlafen. Der Wecker klingelte erst gegen 8.15 Uhr. Der „Männer-Bus“ fuhr uns gegen 9.30 Uhr in die 20 Minuten entfernte Eishalle. Nach dem Warm Up begannen die ersten 1500m-Läufe. In der ersten Runde qualifizierten sich nur die ersten 2 Läufer für die nächste Runde. Alle anderen konnten sich anschließend im Repecharge (Hoffnungsrunde) wieder ins Halbfinale zurücklaufen. Da ich in der ersten Runde nur knapp als Dritter ins Ziel kam, musste ich mich durch die Hoffnungsrunde quälen. Auch dort wurde ich auf der Ausdauerstrecke wieder nur Dritter und vergab meine Chance aufs Halbfinale. Am Ende belegte ich einen 21. Platz.
 
Das Finale über 1500m gewann Tyson vor Paul. Sebastian wurde ebenfalls im Finale 6. Diese 3 besten Deutschen sicherten uns 2128 Punkte. Torsten wurde 10. und Robert Becker 20.
 
Als nächstes standen die 500m auf dem Plan. Da ich als Sprinter meist besser auf der kurzen Distanz bin, erhofften nun alle von mir, auf dieser Strecke Punkte fürs Team zu holen. Die erste Runde war kurios. Ich startete von Position 2. Sofort nach dem Start konnte ich mich durchsetzen und übernahm die Führung. Eine Runde nach dem Glockenläuten schob ich meine Kufe vor und überquerte auch als Erster die rote Linie, allerdings mit einem unguten Gefühl im Bauch. Irgendwie kamen mir diese 500m sehr kurz vor. Nachdem ich die Ziellinie nun passiert hatte, liefen der Dritte und Vierte mit einem fragenden Blick an mir vorbei. Dann war es mir klar: der Rundenzähler hatte aus Versehen die Glocke eine Runde zu früh geläutet. Da aber eben diese Glocke entscheidend ist, hatte ich gewonnen, obwohl die Strecke schon nach gut 33 Sekunden vorbei war. In der Kabine feierten mich die Anderen als neuen Weltrekordhalter. Das war zunächst lustig, verschaffte mir für die folgenden Runden jedoch erhebliche Probleme. Da ich auf Grund der fehlenden Runde keine Lauf-Endzeit erhielt, konnte ich in der nächsten Runde nur von der Außenposition starten. Das wiederum beruht darauf, dass sich geringe Endzeiten positiv auf die Startposition in der nächsten Runde auswirken. Diese schnelle Endzeit fehlte mir nun, um von Position 1 starten zu dürfen. Also begann ich mein nächstes Rennen von Position 4 aus. Trotz der schlechten Position konnte ich mich am Start behaupten und verließ als Zweiter die erste Kurve. Die restlichen Runden verliefen unspektakulär. Ich durchlief auch als Zweiter die Ziellinie und war somit eine Runde weiter. Im Viertelfinale musste ich wieder von Position 4 starten. Mit gutem Start lief ich wieder als Zweiter aus der Kurve und auch ins Ziel.
 
Die besten 4 Teams bis zu diesem Zeitpunkt traten dann beim Staffelrennen gegeneinander an. Seit fast 3 Jahren durfte ich endlich wieder in der deutschen Staffel mitwirken. Am 2. Dezember 2006, genau einen Tag vor meiner Sprunggelenkverletzung in Chicoutimi (KAN), nahm ich das letzte Mal an einem internationalen Staffelrennen teil. Dieses Wochenende teilte ich mir also mit Tyson, Paul und Sebastian die 5000m der Herrenstaffel. Diesen Lauf gewannen wir, nachdem wir lange in Führung lagen, kurz die Führung an die Holländer abgaben und Paul den Heimspieler auf der Zielgeraden doch noch überholen konnte.
 
Für den Sieg in der Staffel erhielten wir weitere 1000 Punkte. Damit war der erste Wettkampftag beendet.
 
Sonntag
 
Im Halbfinale musste ich mich natürlich wieder mit Position 4 zufriedengeben. Auch dieses Rennen war merkwürdig. Den ersten Fehlstart verursachte der neben mir stehende Ungar. Ein weiterer Fehlstart ging auf meine Kappe. Als wir zum dritten Mal an die Linie gingen, zitterten meine Beine. Ich wusste, ich muss mich beim Schuss zurückhalten, damit nicht noch ein weiterer Fehlstart auf meine Rechnung ging. Doch ich konnte wieder nicht auf den Schuss warten und schnellte aus meiner Startposition heraus. Der Schuss folge nur wenige Augenblicke darauf. Der Starter (also der mit der Pistole) pfiff den eigentlichen Fehlstart jedoch nicht zurück, sodass ich freie Bahn hatte und mich gleich hinter Tyson, der von der Innenbahn aus gestartet war, einordnen konnte. Der folgenenden 4,5 Runden verliefen wieder ohne nennenswerte Probleme, sodass ich hinter Tyson als Zweiter durchs Ziel lief. Die Finalqualifikation war somit mit etwas Glück geschafft.
 
Durch Tysons und meine gute Zeit im Halbfinale durfte ich im Finale nun endlich mal auf Position 2 starten. Auf der Innenbahn stand Tyson, dann ich, außen neben mir ein Brite und ganz außen ein Holländer. Das Rennen begann gut. Ich startete hinter Tyson in die Kurve und hielt die Position für die nächsten 2,5 Runden. Dann, als das Eis unter Tysons Kufe mehrere Male am Kurvenausgang platzte, übernahm ich die Führung, um die Geschwindigkeit weiter hoch zu halten. Da ich jedoch auch Probleme mit dem Eis hatte, konterte mich Tyson auf der Gegengeraden wieder. Eine halbe Runde später folgte fast wieder dieselbe Situation. Tysons Kufe brach im Eis, ich überholte innen und brach ebenso. In diesem Moment überholte uns beide aber noch der Brite innen und übernahm die Führung. Es war nur noch eine Runde bis zum Ziel. Wir liefen noch in dieser Reihenfolge bis zum Ausgang der letzten Kurve. Ich versuchte natürlich noch auf der Zielgeraden mich am Briten vorbeizuschleichen und meine Kufe vorzuschieben. Dieser Plan ging aber nicht auf. Erneut hielt das Eis dem Druck meiner Kufe nicht stand. Ich musste Tyson noch vorbeilassen und beendete mein Finale als Dritter. Der Brite gewann.
 
Mit Tyson als Zweitplatziertem, mir als Drittem und Paul als Sechstem erliefen wir uns 1768 Punkte über 500m. Torsten erreichte den 7., Becks den 13. und Sebastian den 18. Platz.
 
Die letzte Strecke auf dem Plan war 1000m. Meine erschöpften Beine ließen mir keine andere Wahl als im ersten Rennen letzter zu werden. Auf Grund der Repecharges musste ich nun nochmal an den Start gehen und um den Einzug ins Viertelfinale laufen. In der zweiten Runde fühlten sich meine Beine viel besser an. Ich gewann meinen Hoffnungslauf und qualifizierte mich für das Viertelfinale. Im Viertelfinale konnte ich meinen Konkurrenten nicht mehr viel entgegensetzen, meine letzten Kräfte reichten trotzdem noch für einen dritten Platz. Somit war über 1000m im Viertelfinale Endstation und ich erreichte einen akzeptablen 13. Platz. Der Wettkampf sollte mit diesem Rennen für mich beendet sein.
 
Wieder war Tyson als Zweitplatzierter bester Deutscher. Paul wurde im Finale 5. und Sebastian 11. Die 3 ergatterten wieder hilfreiche 1317 Punkte.
 
Am zweiten Staffelfinale nahm ich nicht teil. Dort wurde Becks als vierter Mann eingesetzt. Unsere Staffel stürzte 3 Runden vor Schluss aus eigenem Verschulden, die Ungarn wurden disqualifiziert und wir erhielten für den 3. Platz 640 Punkte.
 
Resümee
 
Unser deutsches Herrenteam gewann den Invitation Cup mit insgesamt 6853 Punkten. Großbritannien wurde Zweiter mit 4643 Punkten. Den dritten Platz belegte das holländische Team mit 3997 Punkten.
 
Die deutschen Damen mit Susi (beste Deutsche mit zwei vierten Plätzen), Aika, Christin, Julia, Anke und Bianca schafften auch den Fuß aufs Treppchen und erreichten einen dritten Platz mit 4058 Punkten. Das beste Damenteam kam aus Holland (5557 Punkte). Ungarn wurde Zweiter mit 5534 Punkten.
 
Alle Ergebnisse findet ihr unter ShortTrackOnline.info.
 
Der Saisonauftakt in Holland war für uns Deutsche ein kleiner Vorgeschmack auf die bevorstehende Olympiasaison. Ich denke, dass wir einen guten Leistungsstand für den Beginn der Saison haben. Sicher liegen noch viele schweißtreibende Trainingseinheiten vor uns, aber aus meiner Sicht sind wir gewappnet, um uns auf internationalem Terrain behaupten zu können. Außerdem bin ich froh, endlich wieder eine Rolle in der Nationalmannschaft zu spielen. Schon am Freitag diese Woche hebt unser Flugzeug nach Asien ab. In Peking (CHN) und Seoul (KOR) werden die ersten Welt Cups der Olympiasaison ausgetragen. Unser Team wird aus den 6 Herren von diesem Wochenende und 5 Damen bestehen, wobei Anke die unglückliche Sechste ist.
 
 

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