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HomeSaison 2009/10EM 2010EM-Silber für die Herren-Staffel, Gold für die Frauen

EM-Silber für die Herren-Staffel, Gold für die Frauen

War das ein Spektakel!? Die Damenstaffel holte über 3000m GOLD bei den Europameisterschaften am vergangenen Wochenende in Dresden und ich mit der Herrenstaffel SILBER über 5000m.

 

Am Freitag begannen die Staffelvorläufe der Herren. Wir mussten gegen Russland, Weißrussland und die Ukraine ran. Sebastian, Becks und ich waren nur für die Staffel eingeteilt. Da Tyson und Paul die Einzelstrecken liefen, war klar, dass wir in der Vorrunde einen der beiden schonen wollten. Schließlich standen die zwei an allen drei EM-Tagen und zur Staffel von früh bis abends auf dem Eis. Da Tyson noch bis in den Freitag hinein etwas kränkelte, entschieden wir uns, ihn zu schonen und setzten in der Vorrunde Becks ein. Da Tyson fehlte und sonst fast immer den Start übernimmt, war das nun meine Aufgabe. Mit dem Start verbindet sich aber immer gleich, dass man 8 Wechsel, also einen mehr, laufen muss. Für mich als Sprinter war das natürlich hart, aber es ging zum Schluss doch besser als ich dachte. Da meine Kufen an diesem Tag irgendwie nicht richtig zu laufen schienen, musste ich jedoch auf dem Eis auf Nummer sicher gehen. Dennoch konnten wir das Rennen souverän vor den Russen gewinnen.

 

Im Halbfinale am Samstag ging es schon etwas heißer zu. Wir standen wieder mit den Russen und Weißrussen am Start. Noch dazu kam Frankreich. Wir versuchten, von Anfang an das Rennen schnell zu gestalten, damit die Russen schon zeitig nicht mehr mithalten können. Die Rechnung ging auf. Schon nach knapp 15 Runden vor Schluss konnte Russland die Geschwindigkeit nicht mehr halten. Ab diesem Zeitpunkt lieferten wir uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Franzosen. Drei Mal konnte ich Tyson während unseres Wechsels an Frankreich vorbeischieben. Immer als ich durch die folgenden Kurven lief, dröhnte es nur noch in meinen Ohren. Das Publikum in der Dresdner Freiberger Arena war einfach ohrenbetäubend und tobte bei jedem Führungswechsel zu Gunsten von Deutschland. Das war ein tolles Gefühl. Auf der Ziellinie machte Paul wieder einmal alles klar und schob sein Kufe noch vor der des Franzosen vor. Die Endzeit bescherte uns sogar wieder eine Urkunde am Ende der Saison, auf welcher die Worte „Deutscher Rekord" mit einer Zeit von 6:44,617 Minuten zu sehen sein werden. Die Finalteilnehmer standen fest: Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien. Genau diese vier Teams werden Europa auch als olympische Staffeln in Vancouver vertreten.

 

Am Abend wurden wir alle noch beglückwünscht zum Finaleinzug. Genauso die Damen, denn in dieser Saison gelang ihnen bei den Welt Cups nur einmal der Einzug ins Halbfinale. Daher war der EM-Finaleinzug zwar keine Überraschung, aber aus meiner Sicht eine große Freude.

 

Der Sonntag begann etwas zeitiger. Die Staffel-Finals waren schon gegen 16 Uhr auf dem Eis. Die Damen begannen und holten in einem „Fast-Start-Ziel-Sieg" die Goldmedaille. Für uns Jungs eine großartige Sache und zudem nochmals motivierend. Denn schon 5 Minuten später standen wir selbst auf dem Eis und liefen um die Medaillen. Das Rennen begann ruhig. Wir gingen gleich in Führung, um „nichts anbrennen zu lassen". Wir hielten das Tempo hoch, sodass es für die anderen Teams schwer wurde, uns zu überholen. Erst nach gut 30 Runden konnte das italienische Team an uns vorbeiziehen. Wir krallten uns gleich fest. Ein paar wenige Runden später hatten wir leider einen kleinen Abstand zum führenden Team und die uns folgenden Franzosen holten etwas auf. Die letzten 2 Runden wurden angezeigt, Paul war also wieder dran. In einem grandiosen Endspurt holte er nochmal auf Italien auf, die Franzosen konnten Pauls Geschwindigkeit nicht mehr halten. In der letzten Kurve der 45 Runden stand Paul sogar außen neben dem Italiener und versuchte zu überholen. Er geriet jedoch etwas in Rücklage und konnte am Kurvenausgang keinen Druck mehr aufbauen und musste kämpfen, nicht zu stürzen. Es ging trotzdem alles gut. Paul überquerte die Ziellinie als Zweiter hinter Italien, aus meiner Sicht ein riesengroßer Erfolg. Das Zielfoto zeigt Paul hinter Yuri (ITA) mit einem Abstand von 61 Tausendstel einer Sekunde, was etwa 60 Zentimetern (knapp 1,5 Kufenlängen) entspricht.

 

Das Publikum, übrigens ca. 2500 Zuschauer, war außer sich und jubelte für uns genauso, wie zehn Minuten zuvor für die Frauen. Ich war total erledigt von der Staffel, die Stimmung in der Halle ließ aber jegliche Gedanken an die schweren Beine schwinden und alle freuten sich. Wir hatten Silber bei der EM gewonnen!

 

Direkt nach der Staffel drehten wir noch eine Extrarunde mit Deutschlandfahnen und freuten uns über die Stimmung und Begeisterung der Zuschauer. Ich griff noch kurz zum Mikrofon und bedankte mich bei allen Fans und Begeisterten für die tolle Atmosphäre in der Eishalle über das gesamte Wochenende hinweg. Die Siegerehrung stand nun an und die Frauen waren außer sich. Alle freuten sich über Staffel-Gold. Dann waren wir dran. Auch ich freute mich über meine erste internationale Herrenmedaille. Die Prägung im kleinen runden Edelmetall „PALMAM, QUI MERUIT, FERAT" gab die Inschrift des Grabes von Lord Horatio Nelson wieder und bedeutet lt. Wikipedia „Die Siegespalme erhalte, wer sie verdient hat!" Wir alle haben sie verdient.

 

Kurz darauf wurden Fotos geschossen und wir standen einigen Journalisten Rede und Antwort. Glückwünsche erhielten wir außerdem von vielen Bekannten, der Familie und allen Freunden. Fotos von der EM gibt es schon jetzt oder demnächst auf www.desgphoto.com und www.shorttrack-info.de.

 

Für die nächsten Europameisterschaften fahren wir im Januar 2011 nach Herrenveen (NED) und haben dank Pauls siebtem Platz in der Einzel-Mehrkampfwertung neben der Staffel einen dritten Einzelstartplatz.

 

Danke Dresden, allen Helfern und Fans für dieses richtig gelungene Wochenende!

Wir hoffen, euch in den nächsten Jahren zu weiteren Short-Track-Höhepunkten wiederzusehen!

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